Vorlesung 3: Hyperlink, Ping, Trackback und RSS
- Hypertext und Hypermedia
- Ping, Trackbackping und Community-Server
- Von RSS 0.92 bis Atom: Der Kampf um die korrekte Syndizierung
Wo geht die Reise hin?
Das kann so aussehen:
Oder so:
Doch woher die Faszination?
Dazu schauen wir uns erst einmal dieses Video an: John Sculleys Knowledge Navigator von 1987
Hypertext und Hypermedia
Ein kurzer geschichtlicher Rückblick
Paul Otlet (1868 - 1944)
Paul Otlet: Dokumentation des Weltwissens
Vannevar Bush (1945)
Vannevar Bush (2)
»Consider a future device for individual use, which is a sort of mechanized private file and library. It needs a name, and to coin one at random, »memex« will do. A memex is a device in which an individual stores all his books, records, and communications, and which is mechanized so that it may be consulted with exceeding speed and flexibility. It is an enlarged intimate supplement to his memory.« (Vannevar Bush)
Ted Nelson: Xanadu (seit ca. 1960)
- Xanadu ist ein 1960 begründetes Hypertext-Projekt von Ted Nelson; durch das nach dem legendären Ort Xanadu benannte Projekt sollte das Docuverse, eine universale Bibliothek mit zahllosen miteinander vernetzten Dokumenten, entstehen.
- Wie das World Wide Web war Xanadu als dezentrales Speichersystem für Dokumente gedacht. Jedes Dokument in Nelsons Hypertext-Raum sollte eine absolut eindeutige Adresse (unabhängig vom Speicherort) besitzen.
Xanadu (2)
- Verweise sollten bidirektional sein; wenn man eine Seite in Xanadu betrachtete, sollte man also auch sehen, welche anderen Seiten auf diese Seite verwiesen.
- Nur die Adressen von Inhalten sollten an den Stellen eingefügt werden, wo man sie zitiert. Der Client sorgt dann für die vollständige Darstellung.
- Nelsons konzeptuelle Ideen für Xanadu beeinflußten gleichermaßen Tim Berners-Lee bei der Entwicklung des World Wide Web wie auch Ward Cunningham bei seinem Wiki-Konzept.
HyperCard
HyperCard wird ab 1987 mit jedem Macintosh ausgeliefert…
und löst eine (kleine) HyperText-/HyperMedia-Revolution aus.
The Manhole
The Manhole (2)
Homo Ludens
- »Point and Click«-Spiele als erste hypermediale Anwendungen
- »Myst« (1993) war in der ersten Version eine HyperCard-Applikation
Knowledge Navigator (2)
Knowledge Navigator (3)
Sculley nannte 5 Schlüsseltechnologien, die dem Knowledge Navigator zugrunde liegen sollten:
- fortschrittliche Kommunikations-Technologie, die weltweit Rechner und Datenbanken miteinander verbindet und den Anwendern breitere Informationspfade zur Verfügung stellt
- Echtzeit-Animationen in 3D, die es erlauben, komplexe Modelle zu visualisieren
- verbesserte Datenbank-Technologien als Schlüssel zu umfassenden Informationssystemen
Knowledge Navigator (4)
- Hypermedia, die Verbindung von Text, Graphiken, Ton und bewegten Bildern, die den zukünftigen Computer-Anwendern intuitiv den Weg durch riesige Informations-Sammlungen weist sowie
- Künstliche Intelligenz als Schlüsseltechnologie. Die künstliche Intelligenz erlaubt die Verwendung von »Agenten«, die sowohl persönliche Vorlieben der Anwender erkennen als auch Strategien vorschlagen und damit zur Steigerung der Produktivität beitragen.
Erste Implementierungen
Tim Berners-Lee Hypertext Editor
Dann kam Tim Berners-Lee und das World Wide Web
Und obwohl das WWW als »hypermediale Wissensanordnung« gedacht war…
Hypermedia?
- war die ganze Hypermedia-Diskussion auf einmal vergessen.
- Lediglich Peter Gloor (Elements of Hypermedia Design, 1997) versuchte, die Diskussion in die WWW-Welt hinüberzuretten. (Vgl. auch hier)
Und heute?
Und heute? (2)
- Hoffen wir, daß die Diskussion um Web 2.0 diese Diskussion wiederbelebt. Ansätze sind durchaus vorhanden.
- Die Werkzeuge auch…
Die Werkzeuge
- Ping, Trackback-Ping und Community-Server
- RSS und Atom
- (Folksonomy: Tagging – wird in einer späteren Vorlesung behandelt)
Was ist ein Ping?
- Ein Ping ist ein kleines XML-RPC-Paket, das einen Community-Server über ein Update benachrichtigt.
- Der Ping wurde von Dave Winer entwickelt, um die Spider-Aktivitäten im Zaun zu halten.
Wie sieht so ein Ping aus?
Eine reale Implementierung
Community-Server
- Weblogs.com (Der »Vater« aller Community-Server wollte (und will immer noch) alle (!) Weblogs vernetzen.
- Technorati.com (gleiche Ansprüche, aber mehr Funktionalität)
- Server für spezielle »Communities« (das können die Kunden eines (Weblog-) Hosters sein, aber auch die »Freunde der italienischen Oper« ;o)
Screenshot Technorati
Die Werkzeuge: Fazit (1)
Ping, Community-Server und RSS bilden eine komplette (und manchmal auch komplexe) Infrastruktur z.B. für verteilte Datensammlungen und andere vernetzte Communities.
Trackback Ping (1)
And now something completely different: The Trackback Ping ;o)
Trackback Ping (2)
- Sind Kommentare in einem Two-Way-Web wirklich das adäquate Mittel, um (Weblog-) Beiträge zu kommentieren?
- Sollte der Kommentar nicht eher im eigenen Weblog erfolgen?
- Nur…?? Wie erfährt der Kommentierte, das er kommentiert wurde?
Trackback Ping (3)
- Die Lösung: Ping rückwärts!
- Der Kommentierende setzt einen (Trackback-) Ping an den Kommentierten ab.
Trackback Ping (4)
- Problem: Der Kommentierte muß einen Server betreiben, der diesen Ping entgegennimmt.
Trackback Ping (5)
- Lösung 1: Trackback-Ping kompatible Software
- Lösung 2: Spezielle Dienste, wie z.B. HaloScan
Trackback Ping (6)
- Der Trackback-Ping würde auch die »Wer zitiert wen?«-Frage lösen, wenn
- a) Das Protokoll nicht so äußerst schlampig formuliert wäre
- b) Das Trackback-Spam-Problem in den Griff zu bekommen ist
- Daher ist der Trackback-Ping (leider) etwas in Verruf geraten.
RSS und Atom
- Was ist RSS?
- Wozu RSS?
Was ist RSS?
- RSS wurde ursprünglich von Netscape entwickelt, um die Portalseiten individaulisiert mit Nachrichten füllen zu können.
- Wird auch heute noch so genutzt (z.B. auf den Portaseiten von Google und Yahoo!)
Push vs. Pull
- Statt Seite für Seite abzuklappern, wird der User via »Aggregator« darüber informiert, wo es etwas Neues gibt.
Beispiel (My) Yahoo!
Pimp Your (i)Google
News Aggregator
Beispiel: NetNewsWire Lite:
Mit Hilfe solch eines News-Aggregators kann man seine Nachrichten auch offline lesen.
RSS im Browser (Safari)
RSS mobil
Google Mobile: http://www.google.de/mobile/
Der Versionsstreit
- RSS 0.9 und 0.91 (Netscape, Dave Winer)
- RSS 0.92 (Userland, Dave Winer)
- RSS 1.0 (RDF kompatibles RSS-Format)
- RSS 2.0 (Dave Winer, ermöglicht Einbindung von Vod- und Podcasts, abwärtskompatibel zu RSS 0.92)
- Atom (Mark Pilgrim et al., mehr als nur RSS)
Minimale RSS 0.92-Datei
RSS 2.0-Datei...
Pod- und Vodcasts
- Pod- und Vodcasts sind nicht nur einfach Video-oder Audiodateien im Netz
- Sie werden via RSS 2.0-Feed verteilt
- Sie können heruntergeladen und offline betrachtet/gehört werden (auch im iPod oder auf anderen mobilen Geräten).
Beispiel iTunes
Beispiel Miro
Helferlein: VODcaster
Helferlein (2): Broadcast Machine
Helferlein (3): Blip.tv
RSS: Fazit (2)
- RSS-Feeds als eigenständige Publikationsform
- Bei Pod- und Vodcasts mittlerweile schon üblich.
- (Blogs sind oft nur noch Helfersoftware, um den RSS-Feed zu erstellen).
Ach ja, Atom...
- Atom ist eine –proprietäre–, eierlegende Wollmilchsau, die zwei Eigenschaften kombiniert
- a) Feedreader
- b) Weblog-Client
- Atom ist sauberer definiert als die Winerschen Feeds
RSS: Fazit (3)
- RSS ist ein maschinenlesbares Format
- RSS ist Information pur ohne Layout-Information
- RSS ist daher Teil der Bemühungen um ein semantisches Web (auch ohne RDF)
RSS: Fazit (4)
- Was kann man mit RSS veröffentlichen?
- Nachrichten
- Wetterbericht, Börsenticker
- Preisinformationen
- Informationen über neue Produkte (Bücher, Software-Updates)
- etc. …
Der »automatische« Schockwellenreiter
- Liest RSS-Feeds
- wird während einer Trainingsphase »geeicht« (Bayes-Filter, neuronales Netzwerk)
- füllt danach automatisch ein Weblog
Wehr mehr wissen will...
Der nächste Schritt
- Die persönliche Tageszeitung, die nach den Präferenzen des Nutzers die Informationen im Netz zusammensucht und sie für ihn aufbereitet.
- Der automatische Preisagent, der die (hoffentlich) als RSS-Feed zur Verfügung gestellten Produkt- und Preisinformationen sammelt, vergleicht und Vorschläge unterbreitet.
Sculleys Vision
Und jetzt schauen wir uns noch einmal John Sculleys Vision von 1987 an:
Aber...
In einem vollautomatischen Atomkraftwerk trat ein Schaden auf, worauf eine für diesen Fall programmierte Apparatur bei der dafür vorgesehenen Stelle um Hilfe ersuchte. Unglücklicherweise wurde die Tonbandstimme, die sagte »Schicken Sie sofort einen Mechaniker«, von einer gleichfalls automatisierten Stimme beantwortet, die erwiderte: »Die Nummer die Sie anrufen, wurde gändert!«
Und so ging das Gespräch sehr lange hin und her.
(nach Lewis Mumford, Mythos der Maschine, Ffm. 1978, S. 539)
Fragen?
Danke!
- Danke für Ihre Aufmerksamkeit!









