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Vorlesung 12

  • Die Wertschöpfungskette
  • Medientheorie 1

Nachtrag zur letzten Vorlesung

App Engine Logo

Zum Thema »Utility Computing« letzte Woche vergessen zu erwähnen:

  • HaloScan
  • Googles »App Engine«

Exkurs

Die deutsche Politik und das Web 2.0

Meistens Fehlanzeige: Nur die Grünen machen ein wenig auf »Obama light«.

Die Wertschöpfungskette

Der Schockwellenreiter vor seiner Wertschöpfungskette:

'Wertschöpfungskette' von kantel

Geld verdienen im Web (2.0)

  • Werbeinnahmen
  • Partnerprogramme (Affiliate)
  • Verkauf von eigenem Content

Banner sind die klassische Anzeigeform im Web mit dem geringsten Erfolg:

  • Pay per View (TKP: Tausender-Kontakt-Preis)
  • Pay per Klick (unter 1 Promille der Besucher)
  • Pay per Lead/Sell (funktioniert eigentlich nur bei Amazon/Ebay)

Google AdSense (1)

  • (+) Es kommt tatsächlich Geld herein
  • (-) Undurchsichtige Abrechnung
  • (-) Knebelverträge

Google AdSense (2)

  • Bisher nahezu konkurrenzlos
  • Doch zaghaft wächst Konkurrenz heran (noch nicht getestet)

SEOs

Suchmaschinen-Optimierer (SEOs) und »Textanzeigen«

  • Interessant für Seiten mit hohem PageRank (Zum Pagerank drängt, am Pagerank hängt…)
  • Unsicher (?)

Der eigene Shop

Mein aStore (nicht wirklich gepflegt)

'Mein aStore' von kantel

Der eigene Shop (2)

  • Amazons aStore
  • Spreadshirt und andere T-Shirt, Tassen- oder Zippo-Dealer
  • Ebay (doch das ist eine andere Geschichte…)

Partnerprogramme

Partnerprogramme gibt es eigentlich für alle Werbeformen

Partnerprogramme (2)

  • (+) Übernehmen die Aquise
  • (+) Bezahlung erfolgt »automatisch«
  • (-) Provision
  • (-) Manchmal etwas undurchsichtige Abrechnungen

Indirekte Einnahmen

Verkauf von eigenem Content und andere indirekte Einnahmen

  • Texte (Artikel) und Photos
  • Lehraufträge ;o) Berater-Verträge, Vorträge
  • Bücher schreiben

Fazit (1)

  • Man kann auch als »Kleiner« im Web Geld verdienen (manchmal sogar soviel, daß man davon leben kann)
  • Man braucht dazu aber einen gesunden Einnahme-Mix

Doch...

Money Makes The World Go Around

Fazit (2)

  • »Richtiges« Geld verdienen im Moment aber nur die Großen — und das mit dem Content der User (UGI = User Generated Income, auf Deutsch: LAA = Laß Andere Arbeiten)
  • Texte, Photos, Rezensionen, Nutzerdaten etc. — all dieser »User Generated Content« sorgt dafür, daß bei Google, Yahoo! und Amazon die Kassen klingeln.

Medientheorie 1

Kunst-, Anatomie- und Wunderkammern

'Neukölln, Treptow und die Halbinsel Stralau' von kantel

Die »Alten«

Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 - 1716)

Gottfried Wilhelm Leibniz: Kunstkammer, Spielpalast, Schattentheater

'Gottfried Wilhelm Leibniz (1646 - 1716)' von kantel

Zitat

»Damit die Imagination oder Phantasie in gutem Zustand erhalten und nicht ausschweifend werde, muß man alle seine Einbildung auf einen gewissen Zweck richten und sich bemühen, die Dinge nicht nur obenhin zu bedenken, sondern stückweise zu betrachten, soweit es für unser Vorhaben vonnöten ist. Zu diesem Zweck ist es überaus gut, viele Sachen zu sehen und, wie die Kunst-, Raritäten- und Anatomiekammern, genau zu betrachten« (G. W. Leibniz)

Wunderkammer und Museum

Das Museum des Fernando Cospiano

Das Museum des Fernando Cospiano (1677)

Kunstkammer

'Museums-Kabinettschrank' von kantel

Samuel Quiccheberg (1529-1567) sah die Kunstkammer als eine mit der Bibliothek verbundene Enzyklopädie alles Wissbaren.

Kunstkammer (2)

(mit Venus bei der Toilette)

'Kunstkammer mit Venus bei der Toilette, 1679' von kantel

(Jan van Kessel d.Ä., 1679) →

Kunstkammer (3)

Diese dargestellte Szene macht deutlich, daß viele Sammlungen der frühen Neuzeit nicht als reine Kunstsammlungen in unserem heutigen Sinne, sondern als Kunst- und Wunderkammern konzipiert waren. Neben Bildern und Skulpturen fand man hier seltene Muscheln, kostbares Geschirr, innovative technische Geräte und sogar exotische Tiere.

Kunst- und Wunderkammer

'Wunderkammer' von kantel

Frans Francken d. J. (1581 - 1642): Kuriositätenkabinett, nach 1636, nach anderen Quellen um 1620-25.

Theatrum Nature et Artis

Zu allen diesen Wissenschaften dienen Bibliotheken, Bildersammlung […], Kunst- und Raritätenkammern, Zeug- und Rüsthäuser, Gärten vieler Art, auch Tiergehege und die großen Werke der Natur und Kunst selbst…

Theatrum Nature et Artis (2)

Leibniz' Überlegungen münden schließlich in einem Konzept eines Theaters der Natur und Kunst, das zwar nur auf Bilder und Stiche bezogen ist, in diesem Medium aber auf Vollständigkeit zielt. (H. Bredekamp)

Theatrum Nature et Artis (3)

Vom Theatrum Nature et Artis zum Spielpalast

  • Drôle de Pensée, touchant une nouvelle sorte de REPRESENTATIONS: Leibniz' Idee lag darin, daß »Personen von Verstand« zusammenkommen sollten, um beachtenswerte Dinge und vor allem Maschinen öffentlich in einer Ausstellung zu zeigen.
  • Das Ganze war als eine Akademie der Spiele konzipiert.

Theatrum Nature et Artis (4)

Da die gesamte Stadt mit Spielakademien überzogen würde, ergäbe sich als Nebeneffekt, …

'Palast mit Überwachungsanlagen' von kantel

(Athanasius Kircher: Panacusticon, 1650)

daß diese mit umfangreichen Überwachungs- und Abhöranlagen ausgestattet wären.

Schattentheater

'Laterna Magica' von kantel

Multimedia damals: Das Schattentheater und die Laterna Magica


Platons Höhlengleichnis

Leibniz hat möglicherweise auf Platons Höhlengleichnis angespielt…

'Platons Höhlengleichnis' von kantel

Jan Saenredam, nach einem verlorenen Gemälde von Cornelis di Haarlem (1604).

Camera Obscura

Camera Obscura

Illustration aus Ars magna lucis et umbrae Kupferstich , Amsterdam 1671, Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen

Kunst- und Wunderkammer (2)

Von der fürstlichen zur bürgerlichen Kunst- und Wunderkammer

'Kunstkammer' von kantel

Kunstkammer der Regensburger Familie Dimpfel, 1668.

Kunst- und Wunderkammer (3)

Physikalisch-technisches Kabinett

Physikalisch-technisches Kabinett

Bei den physikalisch-technischen Kabinetten gingen Architektur und Gerätschaften oft eine faszinierende Symbiose ein. (Gemälde von Jacques de Lajoue, vor 1739)

Kunst- und Wunderkammer (4)

'Satan Malade' von kantel

…über den Jahrmarkt…

Kunst- und Wunderkammer (5)

… zur Wikipedia unserer Tage?

'Screenshot Wikipedia' von kantel

Karl Kraus

Großvater der Weblogs:

'Karl Kraus' von kantel

Gemälde von Oskar Kokoschka, 1925

Die Fackel

'Die Fackel' von kantel

Das Urblog schlechthin ist »Die Fackel«, eine Zeitung von Karl Kraus, in der er nur selbstverfaßte Texte publizierte.

Die Fackel (2)

  • Ab 1911 bis 1936 wurde die Fackel von Kraus allein verfaßt, sie spiegelt in umfassender Weise die künstlerische Entwicklung des Autors; berühmt wurde etwa seine Kunst des entlarvenden Zitierens.


Die Fackel (3)

'Karl Kraus' von kantel

Ähnlich den Weblogs war es im Fall der Fackel eine Person, die eigenverantwortlich ein ganzes Medium produzierte…

Kraus […] benutzte das Zitat, um die Schwächen seiner Gegner bloßzustellen.


Zettelkasten...

des historischen Seminars der Universität Heidelberg

'Zettelkasten...' von kantel

Zettelkasten (2)

'Niklas Luhmann' von kantel

Niklas Luhmann und sein legendärer Zettelkasten: Er sprach von seinem Kasten wie von einem hölzernen Lebenspartner. Er hat ihn aufgezogen, dann ist er gewachsen und hat schließlich eigenständig Ideen produziert. Der Kasten sei klüger als er selbst.

Zettelkasten (3)

Wesentlicher Vorteil eines Zettelkastens gegenüber einem linearen Text ist die Vernetzung des Inhalts, die durch Verschlagwortung und Querverweise entsteht. Ab einer gewissen Größe kann der Zettelkasten so überraschende Zusammenhänge generieren und seinem Besitzer neue Impulse für seine Arbeit liefern.

Zettelkasten (4)

Durch die Verlinkung mit Hyperlinks lassen sich virtuelle Zettelkästen erstellen, zum Beispiel in Form eines Wikis.

Zettels (T)Räume

'Arno Schmidts Zettelkasten' von kantel

Legendär ist auch der Zettelkasten Arno Schmidts, an dessen Entschlüsselung wohl noch Generationen von Literaturwissenschaftlern arbeiten werden…


Zeitungsausschnitt

Cut and Paste (um 1900)

'Cut and Paste (um 1900)' von kantel

Der Zeitungsausschnitt in den Wissenschaften

Mundaneum

Paul Otlet (1868 - 1944)

Das Mundaneum

und das Mundaneum, ein internationales Dokumenten-Netzwerk.

Mundaneum (2)

Paul Otlet: Traité de Documentation. Le livre sur le livre. Brüssel 1934

Paul Otlet

» Kino, Phono, Radio, Tele: als Substitute für das Buch genommen, sind diese Instrumente in der Tat das neue Buch geworden, die Werke mit dem mächtigsten Wirkungsgrad zur Verbreitung des menschlichen Denkens.«

Desideratum général (1)

Heutzutage präsentieren sich alle Maschinen getrennt (…) Wir sollten einen Komplex miteinander verbundener Maschinen haben, die simultan oder nacheinander folgende Aufgaben ausführen:

  • 1. Ton in Text transformieren;
  • 2. diesen Text sooft kopieren wie man braucht;
  • 3. Dokumente in einer Art aufbereiten, die jedem Informationsteil (donnée) seine eigene Identität zuordnet und Verbindungen mit allen anderen in der Sammlung hat, sodass er immer wenn nötig aufgerufen werden kann;
  • 4. zu jedem Informationsteil einen Klassifikationsindex anbringen; das Dokuments in Verbindung mit diesen Indizes perforieren;

Desideratum général (2)

  • 5. automatische Klassifizierung und Aufstellung dieser Dokumente;
  • 6. automatisches Auffinden der Dokumente zwecks Einsicht oder Vorführung, sie es unter Augenschein oder durch eine Maschine, um zusätzliche Beschriftung anzubringen;
  • 7. Mechanische Handhabung sämtlicher aufgezeichneter Informationen, um neue Sachkombinationen zu erhalten, neue Beziehungen von Ideen, neue Operationen mit Hilfe von Ziffern.

Eine Maschine, welche diese sieben Wünsche realisieren könnte wäre ein wahrhaftes mechanisches und kollektives Gehirn.

Memex

Vom Zettelkasten zum elektronischen (verlinkten) Archiv

'Vennevar Bush (1945): Memex' von kantel

Vannevar Bush (1945): Memex

Memex (2)

»Consider a future device for individual use, which is a sort of mechanized private file and library. It needs a name, and to coin one at random, »memex« will do. A memex is a device in which an individual stores all his books, records, and communications, and which is mechanized so that it may be consulted with exceeding speed and flexibility. It is an enlarged intimate supplement to his memory.

Xanadu

Ted Nelson prägte 1965 den Begriff Hypertext. Er ist der Begründer des Projekts Xanadu »…a magic place of literary memory where nothing is ever forgotten«.

Xanadu (2)

Xanadu ist ein 1960 begründetes Hypertext-Projekt; durch das nach dem legendären Ort Xanadu benannte Projekt sollte das Docuverse, eine universale Bibliothek mit zahllosen miteinander vernetzten Dokumenten, entstehen:

  • Wie das World Wide Web war Xanadu als dezentrales Speichersystem für Dokumente gedacht. Jedes Dokument in Nelsons Hypertext-Raum sollte eine absolut eindeutige Adresse (unabhängig vom Speicherort) besitzen.
  • Verweise (Links) sollten bidirektional sein; wenn man eine Seite in Xanadu betrachtete, sollte man also auch sehen, welche anderen Seiten auf diese Seite verwiesen.

Xanadu (3)

  • Nur die Adressen von Inhalten sollten an den Stellen eingefügt werden, wo man sie zitiert. Der Client sorgt dann für die vollständige Darstellung.

Nelsons konzeptuelle Ideen für Xanadu beeinflußten gleichermaßen Tim Berners-Lee bei der Entwicklung des World Wide Web wie auch Ward Cunningham bei seinem Wiki-Konzept.

Lost in Cyberspace

Navigation im Web: Was ist eigentlich so unbefriedigend an Wikis?

  • Wo bin ich?
  • Wohin kann ich von hier gehen?
  • Wie komme ich dahin, wo ich will?
  • Wie komme ich wieder zurück?

Navigation im Web (Überblick 1)

  • Linking
  • Suche
  • Sequentialisierung
  • Hierarchien

Navigation im Web (Überblick 1)

  • Ähnlichkeiten
  • Graphische Visualisierung
  • Agenten und Führer (guides)

Linking (1)

Der Linkmechanismus ist konstituierend für Hypertext-Dokumente und damit auch für das World Wide Web. Um so erstaunlicher ist es, wie wenig über ihn in der jüngeren Literatur geforscht und gestritten wird. Der Dokument-zu-Dokument-Link scheint als der Weisheit letzter Schluß einfach akzeptiert worden zu sein. Lediglich durch die XLink-Debatte angeregt gab es einige Diskussionen über one-to-many-, many-to-one- und many-to-many-Links. Realisierungen gibt es aber meines Wissens nicht, nicht einmal in experimentellen Systemen.

Linking (2): Rücklink

Doch wenigstens im Bereich Rücklink gab es einige Fortschritte zu vermelden: Viele Wikis besitzen eine Links-to-this-Page-Funktion und der in der Weblog-Welt entwickelte Trackback-Link erfreut sich wachsender Beliebtheit.

Suche

  • Volltextsuche: Don't sort - search!
  • Semantische Suche: RDF und Microformat
  • Tagging

Sequentialisierung

…ist unter Webworkern irgendwie in Verruf geraten

  • vorherige Seite ↔ nächste Seite

findet man im Web kaum noch.

Hierarchische Navigation

Unterstützung für eine hierarchische Navigation gibt es dagegen massenhaft:

  • Sitemap (Inhaltsverzeichnis)
  • Breadcrumbs

Ähnlichkeiten

  • Indexerstellung sperrt sich gegen Automatisierung, da ein Volltext-Index zuviel »Müll« generiert
  • Außerdem beherrscht eine Maschine die semantische Komponente meist nur unvollkommen (Kraft der Liebe vs. physikalische Kraft z.B. bei Kant

Visualisierung

  • Bäume etc. (auch in 3D – VRML/X3D)
  • Mapping
  • Fish-Eye-View

Agenten

Das Konzept des Agenten ist leider durch Microsofts plappernde Büroklammer (zu Unrecht) völling in Verruf geraten. Dabei könnten Agenten

  • einen umfassenden Datenbestand aus diversen Sichten zeigen
  • diverse Pfade durch einen umfassenden Datenbestand anlegen

Fazit (3): Let's Do It!

Es gibt also auch in diesem Bereich noch viel zu entdecken und erforschen. Fangen wir damit an:

Fragen?

?

Danke!


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