Vanitas
Vanitas (lat. »leerer Schein, Nichtigkeit, Eitelkeit; auch Lüge, Prahlerei, Misserfolg oder Vergeblichkeit«) ist ein Wort für die jüdisch-christliche Vorstellung von der Vergänglichkeit alles Irdischen, die im Buch Kohelet im Alten Testament ausgesprochen wird (Koh. 1, 2): »Es ist alles eitel«. Diese Übersetzung Martin Luthers verwendet »eitel« im ursprünglichen Sinne von »nichtig«.
Stilleben von Pieter Claesz, 1630
Vanitas-Motive zeigen, daß der Mensch das Leben nicht in der Gewalt hat. Am Auffälligsten sind Bilder des Vergangenen und des Vergehenden wie Schädel oder Sanduhr. Ähnliche Darstellungen gibt es jedoch in allen Künsten. Mit dem Aufstreben der Vanitas seit der Renaissance wird ein Konflikt zwischen Mittelalter und Moderne – der Zwiespalt zwischen menschlicher Demut und menschlichem Selbstbewußtsein – auf die Spitze getrieben. Er erreicht einen Höhepunkt in der Zeit des Barocks. Vom späteren 18. Jahrhundert an gewinnt die Befreiung von der Demut die Oberhand. Seit etwa 1760 wird die Überwindung der Vanitas ins Zentrum einer bürgerlichen Hochkultur gerückt, und ältere Vanitasmotive werden häufig einer geringer geschätzten Populärkultur zugerechnet. – Der Hinweis auf die eigene Nichtigkeit bleibt eine Rechtfertigungsstrategie für menschliche Werke, die deren Aufwand und Anspruch vor Vorwürfen in Schutz nimmt. Trotz weitgehender Trennung von ihrem religiösen Hintergrund sind Vanitas-Motive bis heute gegenwärtig.
Links
- Pieter Claesz in der Wikipedia
- Vanitas in der Wikipedia
Kategorie: Kulturgeschichte → Kunstgeschichte → Ikonographie
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