Späth'sche Baumschulen

Eine der wohl unbekanntesten »großen« Sehenswürdigkeiten Berlins sind die Späth'schen Baumschulen. Sie wurden 1720 von Christoph Späth gegründet und hatten ihr erstes Domizil auf dem Johannistisch vor dem Halleschen Tor. 1760 wurde der Betrieb in die Köpenicker Straße verlegt. 1863 übernahm Franz Späth die nun schon seit Generationen in Familienbesitz betriebene Gärtnerei. Er hatte eine Vision: Er wollte die größte Baumschule der Welt besitzen. Er wurde so der Begründer der Späth'schen Baumschule. Und sein Plan ging auf. Durch besonders gute Qualität seiner Gehölze wurden mehr und mehr - statt wie bisher in Frankreich - von ihm gekauft. Um Platz zu bekommen kaufte er in jahrzehntelangen, mühseligen Verhandlungen von den Bauern sämtliche zwischen Britz und Johannisthal gelegenen Wiesen ab. Ende der 90er Jahre des 19. Jahrhunderts besaß er dann ein vollständig bepflanztes und völlig geschlossenes Baumschulgelände von 900 Morgen. Damit war die Späth'sche Baumschule die größte der Welt.

Das Arboretum

Bank im Arboretum

Auf diesem Areal errichtete Franz Späth 1874 sein Wohnhaus und umgab es mit einem Rosarium und einer Gartenanlage. Diese erweiterte er im Laufe der Jahre zu einem Park, in dem über 6.000 Baum- und Straucharten aus allen Ländern der Erde wuchsen. Die Anlage im Stil englischer Landschaftsparks wurde von dem Lenné-Schüler, Stadtgartendirektor und Schöpfer des Treptower Parks, Gustav Heinrich Meyer (1816 - 1877), entworfen. Obwohl dieser Park ursprünglich ein reines Privatvergnügen war, diente er im Laufe der Zeit mehr und mehr als Demonstrationsobjekt mit neuen und seltenen Gehölzen für die Kunden der Baumschule. Das waren die Anfänge des Arboretums (arbor: lat. Baum, Arboretum: wissenschaftliche Sammlung lebender Gehölze). Das Arboretum in der Späthstraße 80/81 hat eine Fläche von 3,5 Hektar und wird heute von der Humboldt-Universität betrieben, die auch seit 1961 mit dem Lehrstuhl für spezielle Botanik in dem ehemaligen Wohnhaus der Familie Späth sitzt. Der Park ist von April bis Oktober öffentlich zugänglich und sieht an manchen Stellen üppig wie ein Urwald aus.

1900 bis heute

Der Baumschulbetrieb war nur einmal wirklich gefährdet. Nach dem Bau des Teltowkanals (1901) sank der Grundwasserspiegel so stark, daß ein Teil des Betriebes ins brandenburgische Ketzin umsiedeln mußte.

Der letzte Inhaber, Dr. Hellmuth Späth, wurde im Jahre 1943 mit der Begründung des »Umgangs mit Juden und versteckten Hetz- und Wühlarbteit gegen Deutschland« verhaftet und in das Konzentrationslager Sachsenhausen eingeliefert, wo er 1945 ermordet wurde.

Zu DDR-Zeiten wurde die Familie Späth enteignet. Nach der Wende wurde die Baumschule erst von der Treuhand verwaltet und 1996 an die Späthschen Erben zurückgegeben. Somit ist es zwar nicht mehr die größte Baumschule der Welt, aber mit Sicherheit einer der ältesten Betriebe Berlins, der sich immer noch im Familienbesitz befindet. 1999 wurde das 120jährige Bestehen des Arboretums mit einem großen Fest gefeiert.

Sonstiges

Nach dem Vater des Baumschulgründers, des Hofgärtners Ludwig Späth, wurde 1883 eine dunkelfarbige Fliedersorte benannt: Andenken an Ludwig Späth, noch heute eine der beliebtesten Fliedersorten Berlins. Ludwig Späth selber hatte 13 Fliedersorten gezüchtet.

Quellen

  • Plessen, Marie-Luise (Hg. im Auftrag des Senators für Stadtentwicklung und Umweltschutz): Berlin durch die Blume oder Kraut und Rüben. Gartenkunst in Berlin-Brandenburg, Berlin (Nicolaische Verlagsbuchhandlung) 1985
  • Schultze, Dana und Manke, Karin: Streifzüge durch Treptow einen Bezirk Berlins, Berlin (Stapp Verlag) 1995

Kategorie: Treptow-KöpenickTreptowBaumschulenweg



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