Gran Torino

Gran Torino ist ein großartiger Film und so etwas wie ein rasanter Zusammenschnitt aller bisherigen Clint-Eastwood-Filme — nur mit einem schon älteren Haupthelden und bedeutend witziger. Und es ist ein Film, der Hoffnung macht. Die Geschichte des rassistischen Rentners und Korea-Kriegs-Veteranen Walt Kowalskis will uns zeigen, daß es nie zu spät ist, dazuzulernen. Dabei ist der Film trotz seines tragischen Endes über weite Strecken wirklich lustig. Und er bezieht seine Komik nicht, wie die meisten »Komödien« aus der Schadenfreude über andere, sondern aus der leisen bis manchmal derben Selbstironie, die Eastwood aus der Rolle schöpft.

Denn natürlich ist es in erster Linie ein Eastwood-Film. Wie er die Rolle des verbitterten Rentners und ehemaligen Detroiter Automobilbauers ausfüllt, wie er die langsam entstehende Freundschaft zur Hmong-Familie nebenan andeutet, wie er die Verwirrung spielt, die in dem alten Zyniker darüber entsteht, das ist ganz großes Kino. Aber natürlich wäre ein Film nur mit Clint Eastwood langweilig, weil nichts Neues. Den Lonesome Wolf Dirty Harry kennen wir schon. Und das weiß der Regieprofi auch, und so hat er die Rolle des selbstbewußten Nachbarmädchens Sue mit Ahney Her besetzt. Es ist meines Wissenes ihre erste Filmrolle, aber wie sie respektlos den alten Helden anspielt und mit ihm spielt, das hat schon etwas, da kommt Spannung, Witz und Komik (und auch ein wenig Rührung) auf. Neben diesen beiden sind alle anderen Mitwirkenden — obwohl mehrheitlich ebenfalls gute Schauspieler — nur Stichwortgeber, diese beiden füllen mit ihrer Präsenz die Leinwand.

Und obwohl das Drehbuch nicht von Eastwood ist und sogar ursprünglich gar nicht für ihn geschrieben wurde, ist es ein Spiel mit den Eastwood-Klischees. Man glaubt Szenen aus Pale Rider, aus dem Texaner und aus dem grandiosen Spätwestern Erbarmungslos wiederzuerkennen. Immer wieder tauchen auch Erinnernungen an »Dirty Harry« Calahan auf. Aber bis hin zum überraschenden Schluß, der an Für eine Handvoll Dollar, Eastwoods ersten großen Filmerfolg, anknüpft und nun doch wieder den Lonesome Wolf aus der Trickkiste hervorholt, kippt der Regisseur die Szenen, läßt die Erwartungen des Zuschauers ins Leere laufen und ihn überrascht zurück.

Alles zusammengenommen ist der Film tatsächlich, wie überall geschrieben, so etwas wie die Quintessenz aller Eastwood-Filme, das Vermächtnis eines großen Schauspielers und Regisseurs. Aber natürlich hoffe ich, daß Clint Eastwood uns noch mit vielen weiteren solcher kleinen Meisterwerke beschenkt, sowohl vor wie auch hinter der Kamera. Und er selber hat das ja auch nicht ausgeschlossen.

Gran Torino Musik-Video

Tribute Gran Torino: Music Written by Clint Eastwood, Jamie Cullum, Kyle Eastwood and Michael Stevens.

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