Dr. Ingrid Wengler
Das Schiff wurde 1959 gebaut und segelte als Frachter über den Dollart in Ostfriesland. 1977 kaufte es der Unternehmer Günther van de Lücht und läßt den Frachter für 2,7 Millionen Deutsche Mark und mit allen möglichen technischen Raffinessen umbauen. Das renovierte Schiff erhielt den Namen seiner wenige Jahre zuvor verstorbenen, großen Liebe. Seine Frau Dr. Ingrid Wengler war Handchirurgin und verunglückte bei einem Autounfall.
Als die Mauer fällt, veranstaltet van Lücht noch erfolgreich Reisen für anspruchsvolle Kunden, die von Frankfurt über Rhein und Mosel nach Nancy, Straßbourg und zurück nach Frankfurt schippern wollen. In den 90igern plant er ähnliche Touren von Berlin über die Havel, Mecklenburgische Seenplatte nach Schwerin anzubieten. In Berlin nimmt das Verhängnis von Ingrid seinen Lauf, die erste Saison läuft nicht besonders glücklich, in der zweiten Saison wünscht eine Bank vorzeitig die Rücklösung eines gestellten Kredites, 1993 schon befährt die Dr. Ingrid Wengler als insolvente Größe die Spree. Die Bank ordnete die Zwangsversteigerung an und der Gerichtsvollzieher legte das Schiff an der Spitze der Halbinsel Stralau an die Kette.
Als van de Lücht am 17. Oktober 1996 von einem Investorengespräch in der Wirtschaftsverwaltung zurückkehrte, war sein Schiff abgeschleppt. Es wurde an den jetzigen Standort an den Treptowers gebracht – ohne Zugang vom Land. Und so liegt sie nun seit vielen Jahren da. Und was mit ihr passieren wird, ist unklar. Van de Lücht hat sich in seinem Leben an Land gut eingerichtet und kein Geld, eine Bergung zu bezahlen.
Quellen
- Michael Bartnik: Die Titanic von der Spree, August 2005
- Spreepraline, Hauptstadtblog vom 9. Januar 2007
