Alexander Kluge

Alexander Ernst Kluge (* 14. Februar 1932 in Halberstadt) ist ein promovierter deutscher Rechtsanwalt, Filmemacher, Fernsehproduzent, Schriftsteller und Drehbuchautor. Kluge wurde bekannt als einer der einflußreichsten Vertreter des Neuen Deutschen Films, den er in Theorie und Praxis mitbegründet und weiterentwickelt hat.

Alexander Kluge

In Zusammenarbeit mit dem Soziologen Oskar Negt verfaßte er mehrere Schriften und Bücher, darunter Öffentlichkeit und Erfahrung (1972), Geschichte und Eigensinn (1981) und Maßverhältnisse des Politischen (1992). Kluge gilt als Autorität auf dem Gebiet der Filmtheorie und ist Verfasser diverser Standardliteratur (Filmanalyse etc.). Seine theoretische Konzeption war darüber hinaus prägend für den avantgardistisch-intellektuellen Neuen Deutschen Film der 1970er und 80er Jahre.

Mit der Gründung der dctp (Development Company for Television Program) 1987 ist es ihm gelungen, eine Plattform für unabhängige Programme im deutschen Privatfernsehen zu schaffen. Die Gesellschafter von dctp sind Alexander Kluge (37,5 %), die japanische Werbeagentur Dentsu (37,5 %), der Spiegel-Verlag (12,5 %) und die Neue Zürcher Zeitung AG (12,5 %).

Filme (Auswahl)

  • Abschied von gestern (1966)
  • Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos (1967)
  • Gelegenheitsarbeit einer Sklavin (1973)
  • In Gefahr und größter Not bringt der Mittelweg den Tod (1974, mit Edgar Reitz)
  • Deutschland im Herbst (1978, mit Volker Schlöndorff, Rainer Werner Fassbinder, Edgar Reitz und anderen)
  • Die Patriotin (1979)
  • Der Kandidat (1980, mit Volker Schlöndorff, Stefan Aust und Alexander von Eschwege)
  • Krieg und Frieden (1982, mit Stefan Aust, Axel Engstfeld und Volker Schlöndorff)
  • Die Macht der Gefühle (1983)

Thesen zu den neuen Medien

Alexander Kluges Thesen zu den neuen Medien, aus: Die Macht der Bewußtseinsindustrie und das Schicksal unserer Öffentlichkeit, in: Klaus von Bismarck, Günter Gaus, Alexander Kluge und Ferdinand Sieger: Industrialisierung des Bewußtseins. Eine kritische Auseinandersetzung mit den »neuen« Medien, München/Zürich (Serie Piper 473) 1985, Seite 51 - 129)

These I

Neue Medien sind eine dezentrale Antwort auf den Einheitsbrei der kommerziellen und industrialisierten Medien.

These II

Neue Medien fördern und fordern die aktive Beteiligung. Sie sind eine Form der Öffentlichkeit unter Anwesenden.

These III

Neue Medien nehmen — im Gegensatz zur industrialisierten und zentralistisch organisierten Medienproduktion — die Interessen des nicht organisierbaren Bereichs der klassischen Öffentlichkeit wahr.

These IV

Neue Medien bilden Werkstätten der nicht entfremdeten Öffentlichkeitsarbeiter. Die Technik ist – im Idealfall – der Arbeitsweise der menschlichen Produzenten angepaßt.

These V

Neue Medien entstehen notwendigerweise in Kooperation. Jeder Medienproduzent ist auf die (gegenseitige) Zulieferung anderer Medienproduzenten angewiesen.

These VI

Neue Medien bilden in ihrer Gesamtheit wie auch in Teilen eine virtuelle Anbietergemeinschaft. Dies behindert die von der industrialisierten Medienproduktion angestrebten Marktaufteilung unter den Stärksten und die Ausgrenzung von (Außen-) Pluralität. Neue Medien demgegenüber versuchen, außenplurale Verhältnisse herzustellen (d.h. sie be- und verhindern Ausgrenzung).

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