3D-Scans von Keilschrifttafeln - ein Zwischenbericht
Jörg Kantel und Peter Damerow, zusammen mit Sarah Köhler und Juliane Eule
1. Breuckmann-Anwenderforum für Kunst und Kultur, 28.10. bis 29.10.2010 im Senckenberg-Museum in Frankfurt/Main
Was ist die Hilprecht-Sammlung
Die Hilprecht-Sammlung in Jena besitzt über 3.000 Keilschrifttafeln und ist die zweitgrößte Sammlung ihrer Art in Deutschland.
Was ist die CDLI?
CDLI: Cuneiform Digital Library Initiative.
CDLI (2)
- Weltweit gibt es ca. 500.000 Keilschrifttafeln.
- Liegen in Museen und Privatsammlungen weltweit verstreut.
- Zusammengehörende Tafeln sind vielfach auseinandergerissen.
- CDLI hat bisher ca. 50.000 Tafeln zweidimensional eingescannt.
- CDLI stellt eine Umgebung für die kollaborative Transkription, Transliteration, Übersetzung und Publikation zur Verfügung.
Warum 3D?
- Zweidimensionale Scans reichen oftmals nicht aus, um Beschädigungen oder Zeichen sicher zu erkennen.
- Wenn Assyrologen/Alt-Orientalisten mit Original-Tafeln arbeiten, versuchen sie, mit Hilfe verschiedener Beleuchtungen eine bessere Lesbarkeit zu erzielen.
- Bei 3D-Scans kann man diese Beleuchtung im Viewer setzen.
Auswahl des Scanners
- Es kamen drei Produkte nach einer Evaluation in die engere Auswahl und wurden zu einem Test mit (Kopien von) Keilschrifttafeln eingeladen.
- Produkt A hatte eine zu geringe Auflösung und glättete gnadenlos (tödlich für Keilschrifttafeln).
- Produkt B konnte nicht wirklich mit den Farbinformationen umgehen (es wurde versucht ein Farbphoto nachträglich auf den Scan zu mappen).
- Lediglich der smartSCAN-3D-HE der Firma Breuckmann konnte alle Ansprüche erfüllen und wurde bestellt.
Das Set: smartSCAN-3D-HE
Der Workflow
… oder: Ein Hoch auf die Fischertechnik.
Scannen (1)
- Der Scanner speichert Bilddateien.
- Diese Bilddateien werden grob zusammengefügt (aligned).
- Dies erledigt man am Besten in einem Preview-Mode, der nur jedes 32. Pixel berücksichtigt.
Scannen (2)
- Bei normalen Tafeln reichen 6 Bilder von jeder Seite auf dem Drehteller und dann noch einmal je eine Aufnahme von der Vorder- und Rückseite (insgesamt 14 Bilder).
- Bei tiefen Löchern, Rissen etc. muß eventuell aus verschiedenen Blickwinkeln nachgesannt werden.
Post-Processing
- Die Bilddateien und die Matrix-Dateien werden erneut geladen, diesmal in vollständiger Auflösung (ca. 5,5 Megapixel).
- Die einzelnen Bilder werden »gesäubert«.
- Dann werden die Meshes erzeugt und zu einem 3D-Modell berechnet.
Ausgabeformate
- Zur Zeit ist PLY das Format unserer Wahl.
Scannen: Zeit
- Das Scannen (wie oben definiert) dauert bei »normalen« Tafeln etwa 20 Minuten.
- Müssen die Objekte aus mehreren Streifen zusammengesetzt werden, dauert es natürlich entsprechend länger – manchmal auch viel länger.
Post-Processing: Zeit
- Das Post-Processing dauert drei bis vier mal so lange wie das Scannen.
- Um den Scanrechner nicht mit dem Post-Processing zu blockieren, haben wir drei weitere Rechner incl. einer abgespeckten Version der Scan-Software bestellt, die in Berlin den gesamten Post-Processing-Prozeß durchführen sollen.
3D-Scannen für Dummies (1)
3D-Scannen für Dummies (2)
Viewer
OptoView
- Breuckmann Viewer OptoView (frei wie Freibier) ist im Prinzip eine abgespeckte Version der Scan-Software.
- Ist hinreichend schnell auch bei großen Tafeln.
- Erlaubt ein sehr komfortables Setzen der Lichter.
- Breuckmann hat uns erlauben, diesen Viewer frei zu verteilen.
- Breuckmanns Viewer läuft nur unter Windows.
Beispiele: HS 1073 (1)
Beispiele: HS 1073 (2)
Beispiele: HS 1073 (3)
Beispiele: HS 1883 (1)
Beispiele: HS 1883 (2)
Tafeln dieser Größenordnung (.PLY-File: ca. 400 MB) treiben den Rechner an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit
MeshLab (1)
- MeshLab ist ein Open Source Viewer für Meshes.
- Nur eine Lichtquelle, die ein wenig unkomfortabel zu setzen ist.
- Besitzt ein große Menge von Konvertierungs-, Filter- und Nachbearbeitungsmöglichkeiten
Beispiele Meshlab (1)
Beispiele Meshlab (2)
Beispiele Meshlab (3)
Beispiele Meshlab (4)
6-Side-View (Fat Cross)
- Breuckmann hat für uns ein Makro programmiert, das die »klassische« 6-Side-View der 2D-Scans nachahmt (Vorder- und Rückseite sowie die vier Schmalseiten).
- Für jeden Seite können dabei individuell die Lichter gesetzt werden.
- Das Ergebnis dieser Screenshots ist oft besser als die »klassischen« 2D-Scans.
Ab ins Web damit
Website der Hilprecht-Sammlung
- Eine Website der Hilprecht-Sammlung wird zur Zeit erstellt
- Zur Zeit können wir nur die Fat-Cross-Darstellung und eine Downloadmöglichkeit der 3D-Daten als PLY- und VRML-Dateien anbieten
- Wir untersuchen die Möglichkeit, 3D-Thumbnails im Web zu präsentieren
3D-Daten im Web
Unser erster (ein wenig frustrierender) Anlauf:
- Adobes PDF
- QuickTime VR
- VRML
Adobe PDF (1)
Adobe PDF (2)
- Sehr kleine Dateien: 160 MB VRML → 4 MB PDF
- Freie Viewer und Plugins für nahezu alle Betriebssysteme
- Rendert in Echtzeit, daher extrem langsam auf »kleineren« Maschinen
- Verliert die Farbinformation
QuickTime V3 (1)
QuickTime V3 (2)
- Mittlere Dateigröße: 160 MB VRML → 20 MB QuickTime Movie
- Kein echtes 3D, sondern nur vorberechnete Anischten
- Verliert ebenfalls die Farbinformationen
- Zukunft von QuickTime VR?
VRML und FreeWRL (1)
VRML und FreeWRL (2)
- FreeWRL ist ein Desktop Viewer für VRML/X3D für MacOS X und Linux
- Eine Windows Version ist schon seit Jahren angekündigt, aber bisher nicht verwirklicht
- FreeWRL war der Beweis, daß »unsere« VRML-Dateien die Farbinformationen nicht verloren hatten
- Ansonsten nur eher ein Notbehelf
Noch zu testen (1)
Der neue HTML5-Standard bietet auch einige neue Möglichkeiten, 3D-Daten im Web zu präsentieren:
Noch zu testen (2)
Offene Fragen sind dabei (unter anderem):
- Wie groß können maximal die Datenmengen sein, daß eine (HTML5-) Darstellung im Browser noch sinnvoll ist?
- Wie bekommen wir unsere PLY-/VRML-Daten in die dazu benötigten Formate umgerechnet?
Das sind die nächsten Tests, die wir am MPIWG durchführen werden.
Wie weiter?
- Zur Zeit steht das Gerät in Jena in der Hilprecht-Sammlung.
- Wir hoffen, mit der dort gewonnenen Erfahrung weitere Fortschritte mit dieser faszinierenden Technik machen zu können.
- Ansonsten vertrauen wir dem Fortschritt der Technik: Schnellere Rechner, bessere Viewer, schnellere Leitungen.
Fazit
- Es ist möglich und auch sinnvoll, Keilschrifttafeln dreidimensional einzuscannen.
- Dreidimensionale Scans ermöglichen ganz neue Wege, mit Keilschrifttafeln zu arbeiten und die Ergebnisse dieser Forschungen zu publizieren.
- Momentan hat das Projekt noch den Status eines Piloten, doch die bisherigen Ergebnisse sind sehr vielversprechend.
Fragen?
Das Team (von links nach rechts): Jörg Kantel, Sarah Köhler, Peter Damerow (nicht im Bild: Juliane Eule)
Danke!
- Danke für Ihre Aufmerksamkeit!
Kategorie: Arbeitsmaterial Computergraphik → 3D → 3D-Scanner → smartSCAN-3D-HE
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