Inhaltsverzeichnis
3D-Scans von Keilschrifttafeln
Das Team
Von rechts nach links: Peter Damerow (MPIWG, CDLI), Sarah Köhler (Universität Jena, Hilprecht-Sammlung), Jörg Kantel (MPIWG), Christina Tsouparopoulou (CDLI – nicht im Bild).
Was ist die CDLI?
CDLI: Cuneiform Digital Library Initiative.
CDLI (2)
- Weltweit gibt es ca. 500.000 Keilschrifttafeln.
- Liegen in Museen und Privatsammlungen weltweit verstreut.
- Zusammengehörende Tafeln sind vielfach auseinandergerissen.
- CDLI hat bisher ca. 50.000 Tafeln zweidimensional eingescannt.
- CDLI stellt eine Umgebung für die kollaborative Transkription, Transliteration, Übersetzung und Publikation zur Verfügung.
Warum 3D?
- Zweidimensionale Scans reichen oftmals nicht aus, um Beschädigungen oder Zeichen sicher zu erkennen.
- Wenn Assyrologen/Alt-Orientalisten mit Original-Tafeln arbeiten, versuchen sie, mit Hilfe verschiedener Beleuchtungen eine bessere Lesbarkeit zu erzielen.
- Bei 3D-Scans kann man diese Beleuchtung im Viewer setzen.
Auswahl des Scanners
- Es kamen drei Produkte nach einer Evaluation in die engere Auswahl und wurden zu einem Test mit (Kopien von) Keilschrifttafeln eingeladen.
- Produkt A hatte eine zu geringe Auflösung und glättete gnadenlos (tödlich für Keilschrifttafeln).
- Produkt B konnte nicht wirklich mit den Farbinformationen umgehen (es wurde versucht ein Farbphoto nachträglich auf den Scan zu mappen).
- Lediglich der smartSCAN-3D-HE der Firma Breuckmann konnte alle Ansprüche erfüllen und wurde bestellt.
smartSCAN-3D-HE
- Ist ein Streifenlichtscanner – kein Laserscanner.
- Speichert die Farbinformationen mit den Punkten der Scans.
- Löst sehr hoch auf – keine Glättung.
- Die Software ist sehr durchdacht – trotzdem ist die Lernkurve am Anfang sehr steil.
Die Hardware (1)
Die Hardware (2)
- Optischer Scanner auf einem stabilen Stativ mit 3 Objektiv-/Sensor-Sätzen
- Control-Unit
- Massiver Drehteller
- 2-Core Dell-Rechner mit Windows XP (mit der Breuckmann-Software verdongelt)
- Trotzdem eigentlich zu schwachbrüstig
Der Workflow
… oder: Ein Hoch auf die Fischertechnik.
Scannen (1)
- Der Scanner speichert Bilddateien.
- Diese Bilddateien werden grob zusammengefügt (aligned).
- Dies erledigt man am Besten in einem Preview-Mode, der nur jedes 32. Pixel berücksichtigt.
Scannen (2)
- Bei normalen Tafeln reichen 6 Bilder von jeder Seite auf dem Drehteller und dann noch einmal je eine Aufnahme von der Vorder- und Rückseite (insgesamt 14 Bilder).
- Bei tiefen Löchern, Rissen etc. muß eventuell aus verschiedenen Blickwinkeln nachgesannt werden.
Post-Processing
- Die Bilddateien und die Matrix-Dateien werden erneut geladen, diesmal in vollständiger Auflösung (ca. 5,5 Megapixel).
- Die einzelnen Bilder werden »gesäubert«.
- Dann werden die Meshes erzeugt und zu einem 3D-Modell berechnet.
Ausgabeformate
- Zur Zeit ist PLY das Format unserer Wahl.
Scannen: Zeit
- Das Scannen (wie oben definiert, dauert bei »normalen« Tafeln etwa 20 Minuten.
- Müssen die Objekte aus mehreren Streifen zusammengesetzt werden, dauert es natürlich entsprechend länger – manchmal auch viel länger.
Post-Processing: Zeit
- Das Post-Processing dauert drei bis vier mal so lange wie das Scannen.
- Um den Scanrechner nicht mit dem Post-Processing zu blockieren, haben wir drei weitere Rechner incl. einer abgespeckten Version der Scan-Software bestellt, die in Berlin den gesamten Post-Processing-Prozeß durchführen sollen.
Viewer
Viewer (2)
- Adobe Flash/PDF
- »Klassische« 6-Side-View
Breuckmann Viewer
- Breuckmann arbeitet an einem eigenen Viewer (im Prinzip ebenfalls eine abgespeckte Version der Scan-Software).
- Ist hinreichend schnell auch bei großen Tafeln.
- Erlaubt ein sehr komfortables Setzen der Lichter.
- Breuckmann wird uns erlauben, diesen Viewer frei zu verteilen (frei wie Freibier).
- Breuckmanns Viewer läuft nur unter Windows.
MeshLab (1)
MeshLab (2)
- Open Source Viewer für Meshes.
- Ist sehr langsam bei den großen Meshes unserer Keilschrifttafeln.
- Nur eine Lichtquelle, die auch nur sehr unkomfortabel zu setzen ist.
QuickTime VR und Adobe Flash
- Beide Formate haben durchaus ihren Charme.
- Sind sicher als Preview von entsprechend kleingerechneten Scans geeignet.
- Aber von uns noch nicht ausreichend getestet.
QuickTime VR
- QuickTime VR ist hinreichend schnell (wenn die Daten lokal vorliegen).
- Verliert aber irgendwie die Farbinformationen.
- Licht?
- Wird von uns aber noch weiter getestet.
Adobe Flash und PDF
- Adobe PDF bietet die Möglichkeit, drehbare 3D-Elemente als Flash 3D einzubinden.
- Man kann natürlich auch direkt ein Flash-Film in eine Webseite einbinden.
- Ist bei unseren Keilschrifttafeln ebenfalls extrem langsam.
- Licht?
- Wird von uns aber noch weiter getestet.
(Für die Evaluierung von QuickTime VR und Flash/PDF bedanken wir uns bei Sebastian Schröder (MPIB).)
6-Side-View
- Breuckmann hat für uns ein Makro programmiert, daß die »klassische« 6-Side-View der 2D-Scans nachahmt (Vorder- und Rückseite sowie die vier Schmalseiten).
- Für jeden Seite können dabei individuell die Lichter gesetzt werden.
- Das Ergebnis dieser Screenshots ist oft besser als die »klassischen« 2D-Scans.
Ein Ergebnis
Frontseite, im Original hochkant (1814x2995 Pixel, 5,4 Megapixel), wurde von mir auf die Seite gedreht.
Rollsiegel
Wie weiter?
- Zur Zeit steht das Gerät in Jena in der Hilprecht-Sammlung.
- Mit über 3.000 Keilschrifttafeln ist dies die zweitgrößte Sammlung Deutschlands.
- Wir hoffen, mit der dort gewonnenen Erfahrung weitere Fortschritte mit dieser faszinierenden Technik machen zu können.
- Ansonsten vertrauen wir dem Fortschritt der Technik: Schnellere Rechner, bessere Viewer, schnellere Leitungen.
Fazit
- Es ist möglich und auch sinnvoll, Keilschrifttafeln dreidimensional einzuscannen.
- Dreidimensionale Scans ermöglichen ganz neue Wege, mit Keilschrifttafeln zu arbeiten und die Ergebnisse dieser Forschungen zu publizieren.
- Momentan hat das Projekt noch den Status eines Piloten, doch die bisherigen Ergebnisse sind sehr vielversprechend.
Fragen?
?
Danke!
- Danke für Ihre Aufmerksamkeit!
- Wir planen für Mitte November (angedacht) ein Treffen aller MPI-Projekte, die sich mit 3D beschäftigen. Das Treffen soll dem Erfahrungsaustausch dienen. Interessenten bitte bei mir melden: kantel@mpiwg-berlin.mpg.de.
Kategorie: Arbeitsmaterial Computergraphik → 3D → 3D-Scanner
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