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3D-Scans von Keilschrifttafeln



Ein Werkstattbericht

Vortrag zum 26. DV-Treffen der Max-Planck-Institute am 24. September 2009

Das Team

Das Team

Von rechts nach links: Peter Damerow (MPIWG, CDLI), Sarah Köhler (Universität Jena, Hilprecht-Sammlung), Jörg Kantel (MPIWG), Christina Tsouparopoulou (CDLI – nicht im Bild).

Was ist die CDLI?

CDLI: Cuneiform Digital Library Initiative.

CDLI (2)

  • Weltweit gibt es ca. 500.000 Keilschrifttafeln.
  • Liegen in Museen und Privatsammlungen weltweit verstreut.
  • Zusammengehörende Tafeln sind vielfach auseinandergerissen.
  • CDLI hat bisher ca. 50.000 Tafeln zweidimensional eingescannt.
  • CDLI stellt eine Umgebung für die kollaborative Transkription, Transliteration, Übersetzung und Publikation zur Verfügung.

Warum 3D?

  • Zweidimensionale Scans reichen oftmals nicht aus, um Beschädigungen oder Zeichen sicher zu erkennen.
  • Wenn Assyrologen/Alt-Orientalisten mit Original-Tafeln arbeiten, versuchen sie, mit Hilfe verschiedener Beleuchtungen eine bessere Lesbarkeit zu erzielen.
  • Bei 3D-Scans kann man diese Beleuchtung im Viewer setzen.

Auswahl des Scanners

  • Es kamen drei Produkte nach einer Evaluation in die engere Auswahl und wurden zu einem Test mit (Kopien von) Keilschrifttafeln eingeladen.
  • Produkt A hatte eine zu geringe Auflösung und glättete gnadenlos (tödlich für Keilschrifttafeln).
  • Produkt B konnte nicht wirklich mit den Farbinformationen umgehen (es wurde versucht ein Farbphoto nachträglich auf den Scan zu mappen).
  • Lediglich der smartSCAN-3D-HE der Firma Breuckmann konnte alle Ansprüche erfüllen und wurde bestellt.

smartSCAN-3D-HE

  • Ist ein Streifenlichtscanner – kein Laserscanner.
  • Speichert die Farbinformationen mit den Punkten der Scans.
  • Löst sehr hoch auf – keine Glättung.
  • Die Software ist sehr durchdacht – trotzdem ist die Lernkurve am Anfang sehr steil.

Die Hardware (1)

smartSCAN-3D-HE

Die Hardware (2)

  • Optischer Scanner auf einem stabilen Stativ mit 3 Objektiv-/Sensor-Sätzen
  • Control-Unit
  • Massiver Drehteller
  • 2-Core Dell-Rechner mit Windows XP (mit der Breuckmann-Software verdongelt)
  • Trotzdem eigentlich zu schwachbrüstig

Der Workflow

Ein Hoch auf die Fischertechnik

… oder: Ein Hoch auf die Fischertechnik.

Scannen (1)

  • Der Scanner speichert Bilddateien.
  • Diese Bilddateien werden grob zusammengefügt (aligned).
  • Dies erledigt man am Besten in einem Preview-Mode, der nur jedes 32. Pixel berücksichtigt.

Scannen (2)

  • Bei normalen Tafeln reichen 6 Bilder von jeder Seite auf dem Drehteller und dann noch einmal je eine Aufnahme von der Vorder- und Rückseite (insgesamt 14 Bilder).
  • Bei tiefen Löchern, Rissen etc. muß eventuell aus verschiedenen Blickwinkeln nachgesannt werden.

Post-Processing

  • Die Bilddateien und die Matrix-Dateien werden erneut geladen, diesmal in vollständiger Auflösung (ca. 5,5 Megapixel).
  • Die einzelnen Bilder werden »gesäubert«.
  • Dann werden die Meshes erzeugt und zu einem 3D-Modell berechnet.

Ausgabeformate

  • Man kann sehr viele Ausgabeformate wählen, darunter auch das offene PLY-Format (eine Weiterentwicklung von STL) und VRML.
  • Zur Zeit ist PLY das Format unserer Wahl.

Scannen: Zeit

  • Das Scannen (wie oben definiert, dauert bei »normalen« Tafeln etwa 20 Minuten.
  • Müssen die Objekte aus mehreren Streifen zusammengesetzt werden, dauert es natürlich entsprechend länger – manchmal auch viel länger.

Post-Processing: Zeit

  • Das Post-Processing dauert drei bis vier mal so lange wie das Scannen.
  • Um den Scanrechner nicht mit dem Post-Processing zu blockieren, haben wir drei weitere Rechner incl. einer abgespeckten Version der Scan-Software bestellt, die in Berlin den gesamten Post-Processing-Prozeß durchführen sollen.

Viewer

Viewer (2)

Breuckmann Viewer

  • Breuckmann arbeitet an einem eigenen Viewer (im Prinzip ebenfalls eine abgespeckte Version der Scan-Software).
  • Ist hinreichend schnell auch bei großen Tafeln.
  • Erlaubt ein sehr komfortables Setzen der Lichter.
  • Breuckmann wird uns erlauben, diesen Viewer frei zu verteilen (frei wie Freibier).
  • Breuckmanns Viewer läuft nur unter Windows.

MeshLab (1)

MashLab

MeshLab (2)

  • Open Source Viewer für Meshes.
  • Läuft unter Windows, Linux und MacOS X.
  • Ist sehr langsam bei den großen Meshes unserer Keilschrifttafeln.
  • Nur eine Lichtquelle, die auch nur sehr unkomfortabel zu setzen ist.

QuickTime VR und Adobe Flash

  • Beide Formate haben durchaus ihren Charme.
  • Sind sicher als Preview von entsprechend kleingerechneten Scans geeignet.
  • Aber von uns noch nicht ausreichend getestet.

QuickTime VR

  • QuickTime VR ist hinreichend schnell (wenn die Daten lokal vorliegen).
  • Verliert aber irgendwie die Farbinformationen.
  • Licht?
  • Wird von uns aber noch weiter getestet.

Adobe Flash und PDF

  • Adobe PDF bietet die Möglichkeit, drehbare 3D-Elemente als Flash 3D einzubinden.
  • Man kann natürlich auch direkt ein Flash-Film in eine Webseite einbinden.
  • Ist bei unseren Keilschrifttafeln ebenfalls extrem langsam.
  • Licht?
  • Wird von uns aber noch weiter getestet.

(Für die Evaluierung von QuickTime VR und Flash/PDF bedanken wir uns bei Sebastian Schröder (MPIB).)

6-Side-View

  • Breuckmann hat für uns ein Makro programmiert, daß die »klassische« 6-Side-View der 2D-Scans nachahmt (Vorder- und Rückseite sowie die vier Schmalseiten).
  • Für jeden Seite können dabei individuell die Lichter gesetzt werden.
  • Das Ergebnis dieser Screenshots ist oft besser als die »klassischen« 2D-Scans.

Ein Ergebnis

beispiel_front.jpg

Frontseite, im Original hochkant (1814x2995 Pixel, 5,4 Megapixel), wurde von mir auf die Seite gedreht.

Rollsiegel

beispiel_left.jpg

Die Rollsiegel bei diesem Screenshot eines 3D-Scans sind sehr gut zu erkennen.

Wie weiter?

  • Zur Zeit steht das Gerät in Jena in der Hilprecht-Sammlung.
  • Mit über 3.000 Keilschrifttafeln ist dies die zweitgrößte Sammlung Deutschlands.
  • Wir hoffen, mit der dort gewonnenen Erfahrung weitere Fortschritte mit dieser faszinierenden Technik machen zu können.
  • Ansonsten vertrauen wir dem Fortschritt der Technik: Schnellere Rechner, bessere Viewer, schnellere Leitungen.

Fazit

  • Es ist möglich und auch sinnvoll, Keilschrifttafeln dreidimensional einzuscannen.
  • Dreidimensionale Scans ermöglichen ganz neue Wege, mit Keilschrifttafeln zu arbeiten und die Ergebnisse dieser Forschungen zu publizieren.
  • Momentan hat das Projekt noch den Status eines Piloten, doch die bisherigen Ergebnisse sind sehr vielversprechend.

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Kategorie: Arbeitsmaterial Computergraphik3D3D-Scanner


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